„Es kann auch Hagel und Sturmböen geben“

hagelViele Gewitterprognosen im Radio, Fernsehen und auf diversen Nachrichtenportalen benutzen immer wieder die gleichen Phrasen, um auf eine erhöhte Unwettergefahr hinzuweisen. Dabei können Hagel und Sturmböen bei fast JEDEM Gewitter auftreten. Es handelt sich also um nichts anderes als um eine Verharmlosung einer potentiellen Unwetterlage. Je nach vorhandenen Hinweisen in den Wettermodellen lässt sich das Wording sehr wohl und begründet verschärfen:

„Es sind großer Hagel und schwere Sturmböen möglich“

„Es sind großer Hagel über 3cm und Böen über 100 km/h möglich“

„Es sind großer Hagel und Orkanböen möglich“

„Die Gewitter bleiben ortsfest und können enorme Regenmengen bringen mit der Gefahr von Überflutungen, Vermurungen und Erdrutschen.“

In der Flugmeteorologie ist ohnehin bekannt, dass JEDES Gewitter Hagel beinhaltet. In Gewittern befindet sich viel unterkühltes Wasser und oberhalb der Nullgradgrenze entstehen Hagelkörner, die dann beim Fallen teilweise oder vollständig abschmelzen. Ein guter Hinweis am Boden liefern große, kalte Regentropfen. Hagel um 1-2 cm Größe ist zwar für die Landschaft problematisch, insbesondere wenn massenhaft davon vom Himmel kommt und Pflanzen erdrückt und Kanalrohre verstopft (Überflutungen!), aber verursacht direkt in der Regel keine Sachschäden. Erst ab 3cm Größe gibt es substantielle Schäden und man sollte darüber nachdenken, sein Auto abzudecken oder unterzustellen. Einen Hinweis auf die Hagelgröße ist also durchaus sinnvoll.  Großer Hagel ist dann wahrscheinlich, wenn viel unterkühltes Flüssigwasser zur Verfügung steht (Modellparameter: PWAT, Mischungsverhältnisse, Taupunkte), viel Energie im Bereich der Hagelwachstumsschicht (Modellparameter: CAPE, lapse rate) und Windzunahme mit der Höhe (Modellparameter: Höhenwind in 3-8 km).

Genauso gibt es bei vielen Gewittern starke Böen, doch begünstigen manche Konstellationen insbesondere Sturmböen, sei es durch starken Höhenwind, durch sehr trockene Luftschichten in Bodennähe (Verdunstungskälte), durch starken Hagelschlag, durch Gewitter, die schnell ziehen und große horizontale Temperaturunterschiede ausgleichen. Wie man gestern in Oberösterreich mit verbreiteten Böen von 90 bis 110 km/h gesehen hat, müssen die Gewitter nicht zwingend linienförmig angeordnet sein. Am späten Nachmittag hatten sich dort große Temperaturunterschiede (32 zu 17) auf kurzer Distanz (< 150 km) aufgebaut. Das bewirkt große Druckunterschiede, die der stürmische Wind ausgleichen möchte. Gewitter mit heftigen Böen entstehen aber nicht nur an solchen Frontlinien, sondern auch vorlaufend zu diesen oder überhaupt isoliert.

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