Hurrikan Ophelia mit spannender Zugbahn

Hurrikan Ophelia ist der zehnte Hurrikan in Serie und mit derzeit 80 Knoten Spitzenwinden handelt es sich um den stärksten Oktoberhurrikan soweit östlich seit IVAN im Jahr 1980.

Die aktuelle Prognose des Hurrikancenters in Miami lässt ihn bis als Hurrikan an den Azoren vorbeiziehen und dann in Hurrikanstärke in ein außertropisches Sturmtief umwandeln.

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Hierzu ein paar wichtige Anmerkungen:

Die Windgeschwindigkeits-Wahrscheinlichkeiten beziehen sich auf den Wirbel in Tropensturm-Gestalt. Selbst wenn er nicht mehr als Hurrikan, sondern nur noch abgeschwächt als „normales“ Sturmtief auf Irland trifft, kann er weiterhin Orkanböen hervorbringen, wie es der Morgenlauf des amerikanischen Modells gezeigt hat:

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Zu sehen ist hier der Mittelwind (in Knoten) in 850hPa, das sind bei einem Luftdruck von 1013 hPa am Boden 1500m. Durch den starken Druckfall des Sturmtiefs sinkt die 850hPa-Druckfläche jedoch gut 200m ab, d.h., der Mittelwind hier bezieht sich auf nur rund 1300m Seehöhe und kann entsprechend viel leichter zum Boden herabgemischt werden.

Spezielle Modellkarten zeigen auch, dass OPHELIA auch nach der Umwandlung tropische Eigenschaften besitzt, indem der Kernbereich des Tiefs bodennah mit Warmluft gefüllt bleibt. Man spricht von einem „assymetrischen warmen Kern“, weil der Wirbel mit der Höhe versetzt ist und das Tief zunehmend Fronten ausbildet.

Die Asymmetrie führt dazu, dass das Windfeld an der Ostflanke des Tiefs auf der warmen Seite stärker ausgeprägt sein wird als an der kalten Westflanke. Mit der zügigen Verlagerung nach Norden addieren sich an der Ostflanke Verlagerungsgeschwindigkeit und Windspitzen aus Süden, was das Risiko von heftigen Windböen zusätzlich erhöht.  Die Rückseite wird dem recht labil gerechnet und einzelne Schauer reichen dann aus, um den heftigen Südwind bis Südwestwind zum Boden durchzudrücken, in dem oben gezeigten Fall wären das 110-120km/h an der Südküste Irlands und über 140km/h an der Westküste. Die neueren Läufe des Modells zeigen eine westlichere Zugbahn und eine geringere Beeinflussung der Britischen Inseln, das wird sich aber vermutlich noch ein paar Mal ändern bis Montag.

Die Essenz dieses Sermons:

  1. OPHELIA trifft nicht mehr im Besitz aller tropischer Eigenschaften, die ihn als Tropensturm oder Hurrikan klassifizieren lassen, auf europäisches Festland. Die Azoren werden als Hurrikan beeinflusst, Irland und England nicht mehr.
  2. OPHELIA besitzt auch nach der Umwandlung in ein außertropisches Sturmtief noch tropische Eigenschaften wie kräftigen Regen im Warmfrontbereich und ein sehr kräftiges Windfeld um den Kernbereich herum.
  3. Dieses Windfeld ist an der Ostflanke am stärksten ausgeprägt (wie übrigens auch bei Hurrikan NATE kürzlich) und kann dort nochmals Orkanböen hervorbringen, selbst wenn OPHELIA nicht mehr als Hurrikan klassifiziert wurde.
  4. OPHELIA ist der 4. Tropensturm seit 2005, der Europa direkt beeinflusst: Der letzte Tropensturm in Hurrikanstärke traf 2005 auf Portugal und Spanien (Hurrikan VINCE), danach bildete sich im Oktober 2009 sehr weit östlich über lediglich 18-22°C warmen Wasser Tropensturm GRACE, der noch mit stecknadelkopfgroßem Auge an Irland anstreifte, ehe er sich über Wales auflöste.  Danach gab es einen Tropensturm im Mittelmeer (7. November 2011), vom NHC 01M genannt, hierzulande unter ROLF bekannt, der im westlichen Mittelmeer kurzzeitig Tropensturm-Status erreicht hat. Hurrikane im Mittelmeer werden auch Medicane genannt. Weitere Fallbeispiele für Tropenstürme im Mittelmeer gibt es aus den Jahren 1947, 1969, 1982, 1983, 1995 und 2007.
  5. Fast alle Tropenstürme, die vor Europa oder im Mittelmeer entstehen oder bis zum Ostatlantik durchhalten, werden weniger durch die absolute Meeresoberflächentemperatur am Leben gehalten als durch vertikale Temperaturunterschiede. Diese halten die kräftigen Schauer und Gewitter, die für Tropenstürme notwendig sind, aufrecht. Aufgrunddessen entstehen sie überwiegend im Herbst und Winter, wenn der Ozean oder das Mittelmeer relativ warm sind und in der Höhe erste Kaltluftvorstöße vom Nordatlantik den Süden erreichen.
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