US-Ostküstensturm: Bombastisch

Bei diesem Sturm handelt es sich für Meteorologen um das Wetterphänomen einer „Bombogenese“. Das beschreibt die rapide Verstärkung eines Tiefs, laut US-Wetterbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) liegt das am Aufeinanderprallen sehr kalter mit warmen Luftmassen. Für die Entladung wählen manche Meteorologen das Bild einer Bombe oder eines „Bombenzyklons„.

http://orf.at/m/stories/2428672/2428671/

Mit Entladung hat das nichts zu tun, sondern schlicht mit dem explosiven Druckfall, der per Definition mindestens 24 Hektopascal innerhalb 24 Stunden betragen muss. Weniger sensationsgeil sagt man hierzulande rapide Zyklogenese (rapid cyclogenesis) dazu, von zyklos = sich drehen und genesis = Entstehung.

Nachfolgend die beiden Bodenwetterkarten vom 01. März 2018, 18 UTC und 02. März 2018, 18 UTC. Der Bodentiefkerndruck fiel in diesem Zeitraum von 1008 hPa auf 976 hPa, also 32 hPa, womit die Definition mehr als erfüllt ist.

Quelle: http://www.wpc.ncep.noaa.gov/archives/web_pages/sfc/sfc_archive.php

Die heftigsten Auswirkungen an der US-Ostküste waren ab 02. März, 06.00 CST (12 UTC) bis 03. März spürbar, mit Nordwind in Orkanstärke und intensiven Niederschlägen – ein klassischer Nor’Easter mit Einströmen kalter Luft von Kanada, und gleichzeitigem Aufgleiten aus Südosten. Dieses brachte in den Küstenregionen ergiebige Niederschläge:

Quelle: https://weather.us/

Im Bereich der Großen Seen strömte hingegen sehr kalte Luft heran und produzierten einen sogenannten Lake-Effect, mit intensiven Schneeschauern an den Südküsten. Wenngleich der Lake-Effekt bei dieser Windrichtung bei Lake Erie und Lake Ontario weniger gut funktioniert als bei Superior, Michigan und Huron, die entlang der Längsachse überströmt werden, sodass über eine längere Wegstrecke feuchte Seeluft aufgenommen werden kann, die sich dann an den Küsten abschneit.

Hochaufgelöstes Satellitenbild (1km), inklusive Bodenwind (1000 hPa) vom US-Marine-Modell NAVGEM vom 02. März 2018, 20.10 UTC

Quelle: https://www.nrlmry.navy.mil 

Die Okklusionsfront im Westteil des Sturmtiefs weist eine für europäische Gewohnheiten ungewöhnliche Form auf, mit einem kompakten Wolkenschirm, der nach Norden ins Binnenland hineinreicht und durch den aufsteigenden Cold Conveyor Belt (kaltes Förderband) verursacht wird.

Die Position von warmem Förderband (rot), kaltem Förderband (blau) und dem Dryslot (trockenem Oberstrom, lila) habe ich in folgendem Wasserdampfbild eingezeichnet:

Quelle: http://www.sat.dundee.ac.uk/

Der Dryslot steigt auf der Tiefrückseite hinter der Kaltfront ab und wird in den Tiefkern einspiralisiert. Das warme Förderband spaltet sich am Okklusionspunkt auf. Das kalte Förderband kommt von Norden und dreht sich ebenfalls in den Kern ein, wo es vom Dryslot eine Erwärmung und Absenkung der Wolkenobergrenzen erfährt.

 

 

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