Anhaltend Gewitter durch Hochdruckgebiete?

brueste

Abziehendes Hagelgewitter über Salzburg, Blick zum Untersberg und Tennengebirge

Der aktuelle Beitrag im ORF (abgerufen am 09.06.18) über die Häufung von sturzflutartigen Gewittern in Österreich geht in die richtige Richtung …

Wostal verwies in diesem Zusammenhang auch auf eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) aus dem Jahr 2014, wonach die großräumigen Hoch- und Tiefdruckgebiete langsamer ziehen als früher. „Da der Temperaturunterschied zwischen dem Norden und Süden geringer geworden ist, wurden auch die Systeme langsamer“, so Wostal. Die Folge: Wetterlagen wie etwa Hitzewellen halten sich länger.

Zwei Schritte übersprungen, offenbar kann man der österreichischen Bevölkerung wissenschaftliche Erklärungen nicht zumuten. Zum Mitschreiben:

Die Arktisregion erwärmt sich im Rekordtempo, die Eisflächen schmelzen rapide dahin. Dadurch wird weniger Sonnenlicht reflektiert und die Erwärmung beschleunigt sich. In den gemäßigten Breiten bleiben die Temperaturen konstant oder erwärmen sich nur langsam, am Äquator ändert sich nur wenig (das Wasser wird etwas wärmer). Die Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Pol verringern sich also insgesamt. Temperatur- und Druckunterschiede treiben durch die thermische Windgleichung den Strahlstrom in der Höhe an („Jetstream“). Dies ist das in unseren gemäßigten Breiten berühmte Westwindband, welches die Tiefdruckgebiete steuert. Wenn der Jetstream schwächelt und schlingert („mäandert“), dann verlangsamt sich einerseits die Strömung, Wetterlagenumstellungen geschehen langsamer, und anderseits blockiert die Strömung völlig oder wird rückwärtsgewandt („retrograd“).

Dies ist in einem fundierten Blogartikel des Atmosphärenwissenschaftlers Judah Cohen näher ausgeführt (Übersetzung):

„Es hat sich herausgestellt, dass diese atmosphärische Konstellation mit einem Jetstream im Norden und Süden und sehr schwachen Winden dazwischen ideal ist, um beständige Wellen an einem Ort festzuhalten und zu vergrößern. Dieser Vorgang wird quasi-resonante Amplifizierung (QRA) genannt. Wenn die QRA auftritt, werden atmosphärische Wellen festgesetzt und bestehen viel länger als normal. Daraus erhöht sich nachfolgend die Wahrscheinlichkeit für Extremwetter wie Hochwasser, Dürre oder Hitzewellen. Aufgespaltene Jetstreams, beständige atmosphärische Wellen und Extremwetter haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten erwiesenermaßen zugenommen.“
Als Schlussfolgerung das Zitat von oben:
Wetterlagen wie etwa Hitzewellen halten sich länger.

Die Argumentation mit der lokalen Temperaturerwärmung würde ich nicht überstrapazieren. Es stimmt zwar, dass wärmere Luft mehr Feuchte aufnehmen kann, aber entscheidend für die Absolutmengen ist die Dauer des Niederschlagsereignisses. Diese ist durch die langsame oder fehlende Zuggeschwindigkeit der Gewitter deutlich erhöht. Und das geschieht derzeit ständig, fast täglich. Es gab dieses Frühjahr bisher nur wenige Lagen mit schnellziehenden Gewittern – eben, weil sich die Großwetterlagen kaum ändern.

Nun aber zum eigentlichen Meteoerror: Im ORF-Text wird zwei Mal etwas von Hochdruckgebieten geschrieben …

Seit Wochen befindet sich Österreich schon im Einflussbereich eines Hochdruckgebiets mit feuchtwarmen Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Was fehlt, sind stärkere Frontensysteme, die einen Luftmassenwechsel einleiten könnten. Zudem weht nur schwacher Südwind.
Häufiger habe man es in heimischen Lagen ja mit Wetterströmungen aus dem Nordwesten oder Westen zu tun, die relativ flott über das Gebiet ziehen, so Wostal. Das sei beim derzeit herrschenden Hochdruckgebiet eben nicht der Fall.

Das ist so falsch oder zumindest nur teilweise richtig. Es steht dort leider nicht, ob man die Druckverhältnisse am Boden oder in der Höhe meint. Ein Bodenhoch unterdrückt jedenfalls Gewitter, die Luft sinkt großräumig ab, wird trockener, es bildet sich eine Temperaturinversion („Deckel auf dem Kochtopf“) aus. Das erklärt nicht, warum es fast täglich kräftig gewittert.

Tatsächlich sorgen die warmen Luftmassen seit April für beständig hohes Geopotential in Mitteleuropa, verbunden mit hoher Nullgradgrenze. In dieses hohe Geopotential sind aber immer wieder kleinräumige Randtröge eingelagert, manchmal auch flache Bodentiefs. Diese sorgen in der Höhe für geringfügige Abkühlung bzw. am Boden für das Zusammenströmen feuchter und energiereicher Luftmassen. Statt von Hochdruckgebieten sollte man hier von Flachdruckwetterlagen sprechen, von Meteorologen umgangssprachlich Barosumpf genannt (weil sich am Boden kaum ausgeprägte Druckdifferenzen zeigen).

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