Entmystifizierung der Ufowolke

Im Spiegel-Online wird sensationsheischend folgende Schlagzeile tituliert:

Vulkan Teide auf Teneriffa: Wolken-Ufos über der Mondlandschaft

Die Gruppe einigt sich schnell auf die Bezeichnung Ufowolke. Das schneeweiße Oval am blauen Himmel scheint vollkommen glatt zu sein, keine wolkentypischen Aufbauschungen, die Ränder sind zart verwischt. Als habe jemand ein Loch in den Himmel geschnitten – oder eben als schwebe da ein Ufo.

Karvaly gefällt der Begriff. Über Naturphänomene spricht sie wie über Menschen. Die glatte Wolke bringe schlechtes Wetter mit, erklärt sie. „Wenn sie sich auf die Spitze des Teide setzt, ist innerhalb von wenigen Stunden alles bewölkt, und es gibt ein Unwetter.“

Zum Glück ist in der Wetterkunde immer alles so einfach.

Bei Ufo-Wolken handelt es sich um Föhnwolken, Meteorologen sagen umgangssprachlich Föhnfische dazu, der lateinische Fachbegriff lautet Altocumulus lenticularis.

Sie entstehen bei der Überströmung von Bergen bzw. Gebirgen. Dabei kühlt die Luft mit 0,65 Grad pro 100 m ab und kondensiert zu Wolken. Auf der windabgewandten Seite sinkt die Luft mit 1 Grad Erwärmung pro 100 m ab, die Wolke löst sich auf. Beim Überströmen werden die Stromlinien gedrängt, weshalb die Wolkenoberseite glatt erscheint. Eine typische Wolke existiert so nicht, für Föhnwolken sind eben glatte Oberseiten typisch.

Beispiele für Föhnwolken:

Altocumulus lenticularis

Abb.1: Föhnwolke in den Türnitzer Alpen (vom Tiroler Kogel fotografiert)

Altocumulus lenticularis

Abb.2: Tiefe Föhnwolke (mitunter schon Stratocumulus) bei Südföhn im Wipptal, hier mit Serles (2717m) im Vordergrund

Altocumulus lenticularis

Abb.3: Föhnwolke bei Nordföhn in Innsbruck, über dem Südhang der Nordkette hängt tiefe Staubewölkung (Schneeschauer)

Altocumulus lenticularis vesperalis

Abb.4: Föhnwolken in der Abendsonne, bei Nordföhn über die Raxalpe vom Payerbach-Reichenauer Bahnhof aufgenommen

Wolkenschlange

Abb.5: Wolkenwalze im Lee des Schneebergs, Niederösterreich (Südföhn)

Steigungswolken

Abb.6: Tiefe Wolken beim Überströmen der Schneealpe (Westföhn)

Cumulus pileus

Abb.7: Sonderform einer Föhnwolke: Wenn Aufwinde Gewitterwolken erzeugen, bildet sich manchmal ein Hauberl aus.

Während vom Gebirge versetzte (d.h. im Lee der Gebirgskette) Föhnwolken bei überwiegend trockenen Luftschichten entstehen (Abb. 1-4), bildet sich die Steigungswolken, die sich als Haube (Abb. 5-6) über den Gipfelbereich legen, nur bei genügend Feuchte in den bodennahen Schichten (< 2000 m). Es handelt sich dann aber nicht zwingend um Schlechtwetterboten. In Abb.6 ist die Front bereits durchgezogen, die Restfeuchte überströmt die Ostalpen, bildet aber keine Schauerwolken mehr aus.  Im Sommerhalbjahr verhält sich die Lage oft anders, dann können die Gipfelhauben in der Tat Gewittervorboten darstellen.

So friedlich eine einzelne Föhnwolke aussieht, steht sie doch für zwei von vier Zutaten für Schwergewitter:

  • Feuchte (Existenz einer Wolke)
  • starker Wind in der Höhe (glatte Form, Föhneffekte)

Ist die Luftschichtung zudem instabil und nähert sich eine Kaltfront bzw. ein Tief (in höheren Luftschichten), können sich Gewitterwolken bilden, die langlebig und mit unwetterartigen Begleiterscheinungen (Sturzregen, großer Hagel, Sturmböen) ausfallen.

Das gilt übrigens nicht nur für die Kanarischen Inseln, sondern ist auch im Alpenraum anwendbar.

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